Madonna

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10.06.2010
Platin-Schallplatte von Madonna für guten Zweck ersteigern
Eigentlich soll man sich ja nicht mit den Lorbeeren anderer schmücken. In diesem Fall jedoch ist es nicht nur allzu verständlich, dass man schwach wird, sondern obendrein tut man ...
09.04.2010
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Madonna Mia!

Madonna Hard Candy Pressefoto 2008Der Superstar stellt auf der Berlinale ihre erste Regiearbeit "Filth & Wisdom" vor und ist damit ihren Pop-Kollegen wieder einmal um eine Nasenlänge voraus.

Sie hat schon immer die Trends gesetzt. Während die Rolling Stones sich noch von Martin Scorsese vor die Kamera bitten lassen, Neil Young eine dokumentarische Huldigung an seine Band "Crosby Stills Nash & Young" dreht und die Musik-Prinzessin Norah Jones sich als Schauspielerin versucht, geht Superstar Madonna bereits einen Schritt weiter. Sie tritt aus der Rolle des abgefilmten Objekts heraus, macht sich selbst zur handelnden Person - und führt nun Regie.

Warum auch nicht? Schließlich hat sie all das, womit die anderen Musiker derzeit in den Kinos und der Berlinale (Anm. d. Red.: die Filmchef Dieter Kosslick als "seine Musik-Berlinale" bezeichnet) aufwarten, längst hinter sich. Dokumentationen über ihre Auftritte gibt es seit der "Blond Ambition"-Tour. Eine Huldigung auf sie hat Alek Keshishian bereits 1991 mit "In Bed with Madonna" geliefert. Als Schauspielerin gab sie schon 1983 in "Crazy for you" ihr Debüt. Da hatte Norah Jones, Jahrgang 1979, gerade mal das Sprechen gelernt.

Madonna Hard Candy Pressefoto 2008Was soll da also aus der Perspektive einer Madonna noch kommen? All diese künstlerischen Entfaltungsmöglichkeiten hatte sie schon einmal inne gehabt, in all diesen Metiers hat sie es zu großem Erfolg gebracht - und selbst als Schauspielerin, wo sie lange Zeit die heißeste Anwärterin für die "Goldene Himbeere", dem Anti-Oscar, war, hat sie es immerhin bis zum "Golden Globe" gebracht. Das war 1996. Die Ehrung gab es für "Evita".
Aber Madonna wäre nicht Madonna, wenn sie sich auf ihrem Erfolg ausruhen würde. Immer hat sie nach neuen Betätigungsfeldern gesucht - und hat sie in einem dieser Felder reüssiert, hat sie ein neues dazu erobert.

Auf der Berlinale feierte nun ihre erste Regiearbeit Premiere. "Filth and Wisdom" heißt ihr Werk und erzählt die Geschichte dreier Menschen, die auf der Suche nach ihrer großen Chance, sich ihr Geld zunächst mit Gelegenheitsjobs verdienen müssen.

Madonna Hard Candy Pressefoto 2008Da ist eine Ballerina, die statt bei der Royal Dance Company halbnackt an der Stange tanzt. Da ist eine Apothekergehilfin, die lieber in fernen Ländern Entwicklungshilfe leisten würde. Und da ist Eugene Hütz - der charismatische Lead-Sänger der Gipsy-Ethno-Punk-Combo "Gogol Bordello". Er spielt die tragende Rolle in dem Film und eigentlich sich selbst. Er ist für Madonna das, was man als Muse bezeichnen würde, wäre er weiblich und Madonna männlich - und dennoch kann man das Verhältnis nur so beschreiben.

Während des Live-Earth-Konzerts 2005 im Londoner Wembley-Stadion hat sie ihn auf die große Bühne geholt und mit ihm ihren Superhit "La Isla Bonita" intoniert: Sie - der Kontrollfreak, er - ein Lebenskünstler, sie - der strahlende Superstar, er - das Original mit dem vergoldeten Eckzahn und dem dicken Schnauzer über dem Mund. Irgendwie hat ihr seine Ungezwungenheit imponiert. Auf der Presse-Konferenz, die sie auf der Berlinale zu ihrem Film gibt, schwärmt sie: "Ich möchte selbst gerne eine Zigeunerin sein. Ich möchte herumreisen, Musik spielen. Es ist ein spontanes Leben. Ein sehr beseeltes Leben."

Für sie sah es nach einem leichten Spiel aus, ihn für ihren Film ins Boot zu holen. Er aber hat sie hingehalten - Zigeunerleben eben, keine Zwänge, keine festen Stationen, immer unterwegs. "Ich habe ihm nachgestellt wie eine Stalkerin", bekennt sie und wirkt, als ob sie sich ihrer Beute immer noch nicht sicher sei. Den Stolz, ihn präsentieren zu dürfen, sieht man ihr dennoch an, wenn er am Schluss der Pressekonferenz seinen Gypsy-Punk anstimmt - und sie ihn anhimmelt, wie ein ergebener Groupie.

Madonna Hard Candy Pressefoto 2008Aber Madonna wäre nicht Madonna, wenn sie nicht auch aus dieser Beziehung Visionen ziehen würde. Ihre Vision heißt "Filth and Wisdom". Warum "Filth and Wisdom", Dreck und Weisheit? "Es geht um die Gegensätze des Lebens." Sie streicht mit ihrer Linken die blonden Locken zurück und pausiert bedeutungsvoll. "Es geht in dem Film um zwei Punkte. Einmal um die Dualität des Lebens. Zum anderen um den Kampf, den diese Dualität bedeutet. Weisheit und Dreck erscheinen nur wie zwei Extreme. Sie gehören jedoch zusammen. Man kann an beiden Extremen lernen und Erleuchtung finden." Ihr eigenes Leben ist ihr dafür das beste Beispiel. An einer anderen Stelle der Pressekonferenz sagt sie: "Als ich nach New York kam, habe ich gesehen, dass es Tausende von Mädchen gab, die tanzen konnten. Ich habe gesehen, dass ich gar nichts Besonderes bin. Ich habe nicht den Weg von Holly, meiner Filmfigur gewählt. Aber ich war gezwungen, einen anderen Weg zu gehen, um mich von der Masse abzuheben. Ich habe mir gewünscht, dass meine Stimme gehört wird." Die Erleuchtung steckte in dem Gedanken, nichts Besonderes zu sein. Das aus dem Munde einer Madonna. Doch wie weit sie dann auf diesem Weg gekommen ist, ist allgemein bekannt, und gibt ihrer Anschauung recht.

Madonna Sticky & Sweet TourUnd nun? Was kommt als nächstes? Wie geht es nach der viel gepriesenen Premiere ihres Regie-Debüts weiter? Ein weiterer Film, eine Dokumentation über ihr Malawi-Projekt, ist geplant, er läuft auf dem Festival in Cannes. Und dann? Was kann bei einer Frau, die nach den Sternen zu greifen gewohnt ist, noch kommen. Eine Theaterregie? Eine Präsidentschafts-Kandidatur? Ein Openair-Spektakel auf dem Mond?

Madonna wäre nicht Madonna, wenn sie nicht zu überraschen wüsste - und das Überraschende an ihrem neuen Projekt ist, dass sie zu ihren Wurzeln zurückkehrt: Sie singt wieder! Noch in diesem Jahr wird sie mit einem neuen Album auf den Markt kommen.

Was wird sie uns präsentieren? "Wenn ich hier sitze und meinen Film vorstelle, dann bin ich Regisseurin. Nur Regisseurin."
Allein die Erinnerung, dass sie noch etwas anderes gemacht hat in ihrem Leben, ist nicht erwünscht. Vielleicht weil sie befürchtet, mit ihrer Regiearbeit nicht den gleichen Erfolg zu landen wie mit ihrer Musik?

Der Kluge schweigt eben. Und Madonna ist klug. Ein klarer Fall von - "Wisdom", Weisheit.

Bettina Hennig

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